„St. Pölten: Migration findet Stadt“

 

Migration findet Stadt-Flyer

Ein Vorprojekt zur St. Pöltner Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2024: Mit drei „Stadtspaziergängen“ auf den Spuren von Orten und Menschen der Migration in St. Pölten.

 

St. Pölten war und ist Migrationsstadt. Viele kennen die Geschichte der als Gastarbeiter gekommen Menschen in den 1970er Jahren. Wussten Sie auch, dass es um die vom 19. auf das 20. Jahrhundert eine große Zuwanderbewegung aus Böhmen und Mähren in die Stadt gab? Die Fluchtbewegungen im Jahr 2015 sind bekannt, können Sie sich auch noch an die Bosnierinnen/Bosnier erinnern, die 1992 nach St. Pölten gekommen sind? Im Rahmen eines Vorprojekts zur Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2024 hat das Zentrum für Migrationsforschung (ZMF) in Kooperation mit dem Büro St. Pölten 2024 und vielen anderen Partnern verschüttete Migrationsgeschichten „ausgegraben". Begeben Sie sich mit uns im Rahmen von Stadtspaziergängen auf die Spuren von Bekanntem und Unbekanntem, hören Sie von Experten/Expertinnen und Zeitzeugen/Zeitzeuginnen Spannendes über die Geschichte der Menschen und Orte von Migration in den vergangenen hundert Jahren.

Migration findet Stadt I Montag, 16. September 2019, 17 Uhr

Mit Ekrem Arslan, Thomas Lösch, Niklas Perzi und Thomas Pulle auf den Spuren der Arbeitskräftemigration um 1900 und in den 1970er-Jahren Treffpunkt: ehemaliges Glanzstoff-Areal, Herzogenburger-Straße 46, Dauer: 2 Stunden

Industrialisierung und Zuwanderung machten aus der Kleinstadt zwischen 1890 und 1910 eine pulsierende industrielle Metropole. Die herbeigerufenen Arbeiterinnen und Arbeiter stammten vor allem aus Böhmen und Mähren, siedelten sich hier an, gründeten Vereine und eine Sprachschule. Der Arbeitskräftebedarf der großen Industrietanker stand auch am Beginn der zweiten großen Zuwanderung in den 1960er und 1970er Jahren aus Tunesien und der Türkei. Eine große Anzahl siedelte sich so wie die Tschechinnen und Tschechen Jahrzehnte davor rund um den Glanzstoff-Komplex, einem ihrer größten Arbeitgeber, an. Gemeinsam mit Thomas Pulle und Thomas Lösch, den St. Pöltner Stadthistorikern und Ekrem Aslan und Niklas Perzi vom ZMF begeben wir uns auf die Spuren der Arbeitskräftemigration im „Glanzstoffviertel".

Migration findet Stadt II Montag, 23. September 2019, 17 Uhr

Mit Christoph Lind auf den Spuren des jüdischen St. PöltenTreffpunkt: ehemalige Synagoge, Dr. Karl-Renner-Promenade 22, Dauer: 2 Stunden

Das jüdische St. Pölten entstand nach 1848 durch Zuwanderung von Juden und Jüdinnen vor allem aus Böhmen und Mähren. Ein erstes Bethaus wurde bereits in den 1850er Jahren eingerichtet, 1913 der bis heute erhaltene Prachtbau eingeweiht. St. Pölten war das Zentrum des jüdischen Lebens zwischen Wien und den Voralpen. 1938 lebten in der Stadt rund 400 Juden/Jüdinnen. Wer nach dem „Anschluss" die Flucht nicht wurde von den Nazis ermordet. Nach 1945 kehrten nur mehr einige wenige nach St. Pölten zurück. Gemeinsam mit Christoph Lind vom Institut für jüdische Geschichte Österreichs (INJOEST) begeben wir uns auf eine Spurensuche zu den Orten der einst blühenden jüdischen Gemeinde.

Migration findet Stadt III Montag, 30. September 2019, 17 Uhr

Mit Jasmina Dzanic und Markus Weidmann-Krieger auf den Spuren der Bosnier am
Sonnenpark Gelände, Treffpunkt: Spratzener Kirchenweg 81-83, Dauer: 2 Stunden

Tausende Menschen waren bereits vor dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien nach (Nieder-)Österreich geflohen, als am 23. Juni 1992 in einer St. Pöltner Regionalzeitung ein Aufruf zu lesen war: „Hilferuf an alle St. Pöltner: Nehmt Kriegsflüchtlinge auf!" Schließlich wurden etwa 250 von ihnen an der Adresse Spratzener Kirchenweg 83 untergebracht. Heute befinden sich dort die Vereinshäuser des Kunst- und Kulturvereins LAMES sowie der vom Verein SONNENPARK-Park der Vielfalt kultivierte „Sonnenpark". Damals gehörte das Areal bereits einige Jahr der Stadt St. Pölten, nachdem es vorher u.a. als Betriebsgelände und Mühle gedient hatte. Mehr als zwei Jahre lebten die Flüchtlinge ohne Möglichkeit zu arbeiten auf äußerst beengtem Platz. Mehr als 25 Jahre später sind viele von ihnen St. Pöltner geworden. Jasmina Dzanic kam damals als Kind nach St. Pölten und wird am Sonnenpark-Gelände gemeinsam mit Markus Weidmann-Krieger, dem Obmann des Vereins SONNENPARK-Park der Vielfalt, über dessen Vergangenheit erzählen.